MICHAEL VOM OBERSTEINBERG

INHALTSBESCHREIBUNG

Dass mein Vater vom Obersteinberger Hof in Ebenedt – einer kleinen Ortschaft mit nur wenigen verstreuten Höfen – stammte, wusste ich natürlich. Doch seine Großeltern kannte ich nicht. Doch seine Großeltern kannte ich nicht, ebenso wenig den Hof selbst. Ich war nie dort gewesen.

Und nun, da ich mehr über diese Wurzeln erfahren und meinem Großvater Michael näherkommen wollte, stellte sich das schwieriger heraus als gedacht. Fotos aus jener Zeit sind selten, und es war nicht leicht, ihn darauf eindeutig zu erkennen. Schließlich gelang es mir doch, ihn zu identifizieren. Viel über sein Leben erfuhr ich vor allem von meinem Onkel Sepp – dem letzten noch lebenden Zeitzeugen dieses Familienzweigs.

Michael war ein besonderer Charakter – eigenwillig, zäh und geprägt von einer bewegten Zeit. Geboren 1890, noch unter der Monarchie, überlebte er zwei Weltkriege, den Zerfall des Kaiserreichs, die Gründung der Republik Österreich mit all ihren Krisenjahren, den Faschismus und schließlich die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. 1966 starb er, nur vier Jahre nach meiner Geburt.

Onkel Sepp beschrieb ihn als unermüdliches „Arbeitstier“. In vielem erinnerte er mich an meinen Vater. Selbst eine gemeinsame Schwäche teilten sie: das Kegelscheiben!

Als mein Vater 1921 zur Welt kam, war die Spanische Grippe gerade erst überstanden – eine Epidemie, deren Wucht an die jüngste Corona-Pandemie erinnert. Der Tod war damals allgegenwärtig. Auch seine Mutter starb früh, und so wuchs er mit einer Stiefmutter auf.

Noch fast als Kind wurde er Knecht auf einem fremden Hof. Später wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Über diese Zeit wusste ich lange nur wenig. Erst nach intensiver Recherche erhielt ich aus einem deutschen Kriegsarchiv Unterlagen. Eine einzige Karteikarte ermöglichte es schließlich, seine Kriegsjahre nachzuzeichnen. Was daraus hervorging, liest sich wie ein Filmdrama – mit glücklichem Ausgang: Er kehrte zurück.

Doch wie kamen die Lumetsberger überhaupt auf den Obersteinberger Hof?

Großvater Michael wurde 1890 bereits dort geboren. Und sein Vater?

Er hieß ebenfalls Franz – und war mein Ur-Großvater. Im Jahr 1888 übernahm er den Obersteinberger Hof. Er war damals 33 Jahre alt, geboren also 1855. Er ist unsere Spur zurück in die Vergangenheit.